Erdbeeren zu Weihnachten – Kapitel 4

Meine freiwillige Meldung hatte den Kaplan erstaunt, doch er war nicht näher darauf eingegangen. Er hatte mir einige Informationen mitgegeben und mich gebeten, am Samstag nach dem Gottesdienst in das Pfarrhaus zu kommen. Dort wolle man alle weiteren Details besprechen. Das Lichterfest fand jedes Jahr in der Woche vor Weihnachten statt. Es war ein Laternenumzug, der einen Volkshelden feierte. Den eher heidnischen Brauch hatte früh ein gewiefter Pfarrer übernommen und dem ganzen Spektakel noch einen religiösen Stempel aufgedrückt. Vor dem eigentlichen Umzug gab es eine Messe. Die älteren Schüler durften danach auf die jüngeren aufpassen. Die Kinder aus dem Dorf wurden von ihren eigenen Eltern beaufsichtigt. 
Ich war zufrieden, in den nächsten Tagen mehr Zeit mit Kaplan Flory zu verbringen. Allerdings rechnete ich mit Spott von Seiten meiner Freunde. Da ich ihnen den wahren Grund nicht nennen durfte und mir keine alternative Erklärung einfiel, hatte ich den restlichen Abend alleine verbracht.
Am Morgen steuerte ich dennoch unseren Tisch im Speisesaal an. Ewig konnte ich es sowieso nicht herauszögern. Fabian saß dort bereits und stocherte lustlos in seinem Müsli herum.
»Es ist 7:08 Uhr«, brummte er und tippte auf das Glas seiner Armbanduhr.
Ich deute auf die Dose in der Mitte des Tisches. »Das ist Zucker.« 
»Was?«
»Ich dachte, dass wir offensichtliche Fakten austauschen.«
Er rollte mit den Augen. »Nein! Wir sind hier seit Jahren um 7 Uhr verabredet und in letzter Zeit kommt ihr Penner immer später.«
Ich füllte zwei Tassen und schob ihm eine hin. »Hier, trink deinen Kaffee, dann wird das besser.«
Er schob sie zurück. »Ich trinke keinen Kaffee mehr. Yvonne sagt, dass der nicht gut für mich ist. Außerdem werden die Kaffeebauern ausgebeutet und der Regenwald abgeholzt. Und gut für das Klima ist das auch nicht.«
Fabian plapperte regelmäßig die Worte nach, die ihm Yvonne vorbetete. Sie wollte die Welt verbessern und hatte ihn deshalb zum Verzicht tierischer Produkte überredet. Die Missionierung versuchte er nun an uns. Und es ging uns gehörig auf den Zeiger. 
Ich betrachtete die Tasse in meiner Hand. »Fabian, deine Familie produziert doch Kaffee? Wie geht Yvonne damit um?«
Er verzog das Gesicht und widmete sich seiner Müslischale.
Frank setzte sich neben mich. »Na, wie ist es gelaufen?«
»Es lief gar nichts. Ich habe nachgedacht.«
»Du und denken!«, rief Sebastian hinter mir. »Oh, Kaffee!« Er schnappte sich die Tasse, die Fabian verschmäht hatte.
»Arschloch«, murmelte ich. 
Mir wurden die Schultern gedrückt. Warmer Atem strich über meine Ohrmuschel. »Ja, Arschloch passt gut«, grummelte Mark. »Du hast eine seltsame Auffassung von ›gleich‹.« Er hielt mir seine eigene Armbanduhr vor das Gesicht. »Zwölf Stunden ist nicht ›gleich‹. Immer lasst ihr mich allein.«
»Du bist doch selbst zu spät, Affenarsch!«, knurrte Fabian.
»Vollpfosten.«
»Sackratte.«
»Pimmelgesicht!«
»Kackspaten!«
»Nachsitzen«, sprach eine feste Stimme. Wir schauten zum Sprecher auf. Rektor Schneider betrachtete uns mit verschränkten Armen. »Wenn Sie sinnlose Beleidigungen brüllen wollen, gehen Sie doch bitte in Ihre Zimmer. Noch ein Wort von diesem Tisch, und Sie sitzen bis zu Ihren Prüfungen nach. Ich kann manchmal nicht glauben, dass wir Sie fünf in einem halben Jahr los sind. Ich empfinde tiefes Mitleid für die Universitäten, an die Sie gehen werden.« Kopfschüttelnd setzte er seinen Weg zu den Lehrertischen fort.
»Er wird uns vermissen«, flüsterte Frank.
Mark rutschte auf seinen Platz. »Apropos vermissen. Wo warst du, Daniel? Du gehst in letzter Zeit regelmäßig verloren.«
Ich steckte mir ein Toast in den Mund.
»Ich kann warten, das ist dir klar, oder? Früher oder später musst du antworten.« Er hieb auf ein Ei ein. »Du jagst auch einer Frau hinterher, oder? Sei ehrlich! Ihr habt durch mich Zugang zu den schönsten Frauen der Welt, aber ihr müsst euch an eine binden. Was stimmt nicht mit euch?«
»Mark, beruhig dich. Ich war nicht mit einer Frau zusammen. Aber, ich habe da was gemacht … ihr werdet es vermutlich nicht mögen. Es ist einfach so passiert.«
Sebastian starrte mich an böse. »Wenn du den Laphroaig alleine gesoffen hast …«
»Nein, nein. Keine Angst. Öhm … also, ich habe mich für das Lichterfest gemeldet.«
Mark warf die Arme in die Luft. »Schluss, aus vorbei. Ich gebe es auf. Der Typ hat doch den Verstand verloren. Freiwillige Meldung!«
»Warte mal.« Fabian hob die Hand. »Lass ihn ausreden. Da kommt sicherlich noch was. Du willst das Fest sprengen, ja? Teile deine Gedanken mit uns.«
Das war eigentlich eine geniale Tarnung. Deswegen nickte ich zögernd. »Ja, genau. Ich will mir mal anhören, was die planen und ob man da was drehen kann. Es war gestern so eine spontane Idee. Außerdem wäre das wohl verdächtig, wenn wir alle da auftauchen, oder?«
Meine Freunde raunten zustimmend.
Mark beäugte mich misstrauisch. »Und du willst wirklich nicht nur eine Braut beeindrucken? Was sollte dann dieses ganze Liebesgefasel gestern?«
»Ach, das.« Ich winkte ab. »War ordentlich kacken, dann ging es wieder.«
Er kicherte. »Okay, dann erforsche du die langweiligen Gefilde des Kirchenvereins. Wir halten dir den Weg frei.«
Ich nickte. »Top, danke.«
Bis zum Unterrichtsbeginn lenkten wir das Gespräch auf wichtigere Themen und diskutierten unseren Berlin-Trip an Silvester. 

***

Am Samstag verabschiedeten mich meine Freunde überschwänglich und steckten mir einen Flachmann zu. Euphorisch war ich der Straße ins Dorf gefolgt. Doch schon nach wenigen Minuten im Pfarrhaus bereute ich die freiwillige Meldung. Das Komitee bestand aus fünf Oberstrebern, zwei Mädchen der zwölften Klasse, Pfarrer Röwer, Kaplan Flory und Omas aus der Gemeinde. Die Besprechungen waren öde und niemand lachte über meine aufmunternden Witze. Leider gab es auch keine Gelegenheit, sich die Veranstaltung schön zu trinken. Die Geistlichen hätten sich beschwert und die Alten auf gerechtes Teilen bestanden. 
Auf den Rückwegen scharten sich die Streber um unseren Kaplan, um Speichel zu lecken, seine Tasche zu tragen oder anderen Streberkram zu machen. Nicht eine Sekunde waren wir allein. In den Religionsstunden war ich ihm näher als bei den Festvorbereitungen. 
Aus der Nummer mit dem Lichterfest kam ich nicht wieder heraus. In den ersten Jahren hatte uns der Laternenumzug durch den meist verschneiten Wald beeindruckt. Wir kamen aus den großen Städten, so etwas war uns unbekannt gewesen. Doch je älter wir wurden, desto uninteressanter wurde die Veranstaltung. Nach dem Umzug gab es ein gemütliches Ende bei Glühwein und Würstchen, an der die Kinder und die Alten gerne teilnahmen. Als Teenager hatte man andere Vorstellungen von einer geilen Party.
Also ergab ich mich meinem selbst gewählten Schicksal und trabte wenige Tage vor Weihnachten mit einer Fackel durch den Wald. Die kleinen Scheißer liefen fröhlich singend neben mir her. Man hielt sich an den Händen, die Gesichter vom Schein der LED-Kerzen erleuchtet. Es war furchtbar kalt und von der Latscherei schmerzten die Füße. Meine Hand hielt niemand. Kaplan Flory führte mit dem Pfarrer die Prozession an. Natürlich hatten die Oberstreber die begehrten Plätze in den vorderen Reihen eingenommen. Dort sah man ja ihre tollen Leistungen. 

***

Nach dem Umzug wärmte ich mich an einem Feuer und beobachtete die Menschen auf dem Festplatz. Sie standen in Grüppchen zusammen, unterhielten sich, tranken und aßen. Die Kinder tollten um die Feuerschalen und durch den Schnee. Obwohl ich die meisten von ihnen kannte, fiel mir kein geeigneter Gesprächspartner ein. Meine Freunde und ich hatten uns immer vom Rest der Schule und des Dorfes abgekapselt. Als Ergebnis war ich jetzt der Außenseiter und zog mich lieber zum Seeufer zurück, um der belastenden Fröhlichkeit der Menschen zu entgehen.
Seufzend zog ich den Flachmann aus dem Mantel, der dort seit dem ersten Treffen ungenutzt steckte. Am gegenüberliegenden Ufer, versteckt zwischen den Bäumen, saßen die anderen jetzt in der Hütte und tranken auf mein Wohl. Darüber thronte hell erleuchtet unsere Schule. Erneut wurde mir klar, dass ich diese langjährige Heimat bald verlassen musste. Die Erkenntnis zwickte unangenehm in meinem Hinterkopf – falls es nicht die Kälte war. Vielleicht sollte ich mich doch unter die Leute mischen und diese Geselligkeit ein letztes Mal genießen, bevor das Studium rief. Sehr viele Gelegenheiten gab es nicht mehr. 
Jemand zog mir den Flachmann aus der Hand. Ich versuchte, ihn festzuhalten, war aber zu langsam. 
»Soso«, brummte Kaplan Flory neben mir. Er öffnete den Verschluss, roch an der Öffnung und trank einen Schluck. »Sehr gut. Scotch?«
Sprachlos starrte ich ihn an. 
Er nahm einen weiteren Zug und reichte mir den Schnaps zurück. »Cornelius sagte schon, dass es bei Ihnen einen guten Single Malt zu holen gäbe. Sie und Ihre Freunde hätten einen ausgezeichneten Geschmack. Er hat recht. Es lohnt sich, Sie zu filzen.«
Cornelius Schneider, unser Schulleiter. Ich lenkte den Blick auf den See und erwartete schweigend die folgende Standpauke. Stattdessen schwieg auch der Geistliche für einen unangenehm langen Moment. 
»Rektor Schneider hat Ihnen das gesagt?«, brach ich die Stille.
»Aber ja. Sie glauben doch nicht, dass Ihre Eskapaden niemandem aufgefallen wären, oder? Herr Lewenstein, Sie und Ihre Freunde sind dafür berüchtigt.« 
Ich schaute zu ihm. Auf seinem Gesicht lag ein freundliches Lächeln. »Ich dachte …«
»Dass ich Sie ausschimpfen würde? Wir sind nicht in der Schule und Sie sind erwachsen. Wenn Sie am See trinken wollen, werde ich Sie nicht aufhalten.« Er zwinkerte mir zu. »Außerdem haben Sie sich heute Abend vorbildlich verhalten. Ich gebe zu, dass ich nach den Geschichten über Sie etwas Angst hatte.«
Auf das unerwartete Lob fiel mir keine sinnvolle Antwort ein. Deshalb flüsterte ich ein beschämtes »Danke« und starrte auf den Schnee. Das freundliche, fast kameradschaftliche Auftreten des Kaplans verstärkte meine Irritation. 
»Sie stehen hier so allein. Sie konnten die Person nicht beeindrucken, wegen der Sie hier sind?«
»Wie?«
Er tätschelte meinen Arm. »Sie haben sich in wenigen Wochen gewandelt. Da gibt es doch jemanden?«
»Öhm?« Von der Fragerei schlug mein Herz einen schnellen Rhythmus. Dabei hatte ich bei diesem kacklangweiligen Laternenumzug mitgemacht, um bei ihm zu sein. Nun schnürte mir die Nervosität die Kehle zu, und ich musste zweimal schlucken, bevor ich antworten konnte. »Ja … nein … sie weiß nicht … e… sie darf es auch nicht wissen. Geheimnis.« Zur Bekräftigung nickte ich ihm zu.
Der Kaplan legte den Kopf zur Seite. »Verstehe. Nun, mich haben Sie jedenfalls beeindruckt.«
Ich starrte grinsend in den Himmel. Trotz der kalten Luft überzog Hitze mein Gesicht. 
Er war beeindruckt.
Von mir.
Für diese Worte hätte ich ihn so gerne geküsst oder wenigstens seine Hand gehalten. Seufzend strich ich über den Flachmann. 
Die Stimme des Geistlichen riss mich aus den Gedanken. 
»…en verführt, oder?«
»Wie?«
»Ich sagte, dass die Sterne hier in den Bergen traumhaft schön sind.«
»Öhm … ja, ich denke schon?« Die Sterne hatten mir nie viel bedeutet. Es waren eben Lichtpunkte am Himmel.
»Sie haben doch bestimmt schon Mädchen verführt, indem Sie die Sternenbilder erklärt haben?«
»Hmm.« Ich schielte zu ihm herab. Eine eher ungewöhnliche Frage für einen Geistlichen, aber vermutlich wollte er mich nur von meinem vermeintlichen Liebeskummer ablenken. »Nein, öhm … ich weiß nichts über die Sternbilder.«
»Nicht? Da haben Sie über Jahre so einen Ausblick und haben sich damit nie beschäftigt?« Es klang wie ein Vorwurf. Den mühsam aufgebauten Respekt hatte ich erfolgreich wieder zunichtegemacht. Aus irgendeinem Grund lagen in der Gegenwart des Kaplans Fettnäpfchen aus, in die ich mit traumwandlerischer Sicherheit trat. Als Antwort schüttelte ich traurig den Kopf.
»Das ist schade.« Er klopfte mir auf den Rücken und ließ seine Hand zwischen den Schulterblättern liegen. »Damit ihr Ausflug nicht völlig umsonst war, kann ich Ihnen gerne ein wenig erzählen. Für die Zukunft.«
»Okay«, flüsterte ich. 
»Fangen wir mit etwas Leichtem an: dem Großen Wagen. Den kennen Sie sicherlich? Dafür müssen wir uns aber etwas bewegen.« Er übte sanften Druck aus und drehte mich ein Stück. Fasziniert von der Intimität ließ ich ihn gewähren. 
»Dort ist er.« Sein Finger beschrieb einen Bogen. 
»Sieht nicht aus wie ein Wagen.«
»Na, eigentlich ist es auch der Große Bär. Manche nennen es auch ›Schöpfkelle‹.«
So sahen die hellen Punkte schon eher aus.
»Was Sie auch das ganze Jahr über sehen und leicht finden können, ist Kassiopeia.« Er zeigte auf einen anderen Haufen Stern. »Das Himmels-W, weil es aussieht …«
»Wie ein W! Ja, das erkenne ich.« Ich rutschte näher an ihn heran, um den Bewegungen seiner Hand besser folgen zu können. Dicht genug, um auch seinen blumigen Duft wahrzunehmen. 
»Mit den beiden können Sie den Polarstern finden. Sie denken sich einfach eine Linie zwischen dem mittleren Stern von Kassiopeia und der Deichsel des Großen Wagen, dort. In der Mitte liegt der Polarstern.«
Der von ihm beschriebene Weg deutete auf eine Gruppe von mehreren Sternen, die nichtssagend aussahen. »Der da?«, fragte ich wahllos auf einen deutend.
»Nein, das passiert leicht, dass man sich da im Kleinen Wagen vertut.« 
»Kleiner Wagen? Großer Wagen? Da ist aber viel Verkehr am Himmel!«
Kaplan Flory kicherte. »Ein wenig, ja. Schauen Sie. Der Polarstern ist dort. Die Spitze der Deichsel.«
Ich folgte seinem Finger. Der gezeigte Stern leuchtete eher schwach zwischen den anderen hervor. Den Nordstern hatte ich mir pompöser vorgestellt.
»Der ist aber gar nicht hell«, flüsterte ich irritiert.
»Aber dafür konstant. Ich kann Ihnen einen hellen Stern zeigen.«
Erneut schob er mich ein Stück. Ich hielt den Blick gebannt auf den Himmel gerichtet. Das Meer aus Lichtpunkten hatte mir einen winzigen Teil seiner Geheimnisse offenbart. Zumindest Autos und Buchstaben konnte ich nun finden. 
»Dort liegt Sirius, der hellste Stern am Nordhimmel. Leider sieht man ihn nur in den Wintermonaten.«
»Wo denn?« Um seinem ausgestreckten Arm zu folgen, legte ich den Kopf etwas zur Seite. Wir waren uns nun so nah, dass ich seinen Atem hören konnte. Er hatte recht, es war verführend. Sein Finger deutete auf einen riesigen, blinkenden Fleck. »Sie wollen mich doch veräppeln? Das ist doch ein Flugzeug!«
»Lassen Sie es einen Moment wirken.«
Ich starrte auf den Lichtpunkt. Er glänzte und funkelte in verschiedenen Farben, wie ein Diamant. Aber tatsächlich bewegte er sich nicht. Kein Flugzeug, wirklich ein Himmelskörper. So hatte ich mir den Polarstern vorgestellt. Pompös und majestätisch, heller als die anderen Sterne. Obwohl so leicht zu finden, war mir dieser Sirius niemals aufgefallen. Er schien kurz zu verblassen, nur um direkt wieder zu leuchten. Der Anblick zog mich in seinen Bann.
»Wunderschön«, flüsterte der Kaplan.
»Ja.« Ich blickte zu ihm. »Dan…« Er schaute mir ins Gesicht, die Hand, mit der er mich gelotst hatte, lag noch immer auf meinem Rücken. In seinen Augen war dieses gewisse Etwas. Ich hatte es schon vorher bei Frauen und Männern gesehen. Aber diese Menschen hatten mit mir geflirtet. Ich hielt den Atem an. Der Kaplan hatte eben sicherlich die Sterne als ›wunderschön‹ bezeichnet, nicht mich, oder?
Es gab nur eine Möglichkeit, das herauszufinden. Ich beugte meinen Kopf zu ihm und öffnete den Mund zum Kuss.
Hinter uns kreischten Kinder auf. Hektisch trat der Geistliche einen Schritt zur Seite. 
»Pflicht«, murmelte er unbestimmt, bevor er zum Platz zurück stapfte. »Was soll das werden?«, rief er. »Glaubt ja nicht, dass ich das nicht mitbekomme!« 
Einige Kinder hatten entdeckt, dass sich die Stöcke der Laternen als provisorische Schwerter verwenden ließen. Mit klopfendem Herzen beobachtete ich, wie Kaplan Flory die Jungs ermahnte. 
Er hatte eben selbst von der verführenden Wirkung der Sternenbilder gesprochen. Er war mir so nahegekommen.
Entweder hatte ich den Verstand verloren, oder mein Lehrer hatte mit mir geflirtet. 

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