Nur ein Gott – Prolog

Das Wasser verdünnte die Blutlache. Still kroch die Flüssigkeit durch die Fugen der Fliesen.
Das ist falsch.
Er scheuerte gegen das Rinnsal. 
Kein Blut. Wasser. Ich wollte Wasser. Blut ist schwierig.
»Es ist auf deiner Kleidung.« Die Stimme verhallte kichernd.
Seine Hände waren besudelt. Blutig. Schweiß rann über seine Haut, den Nacken hinab. Der Kragen war zu eng. Er löste den Knopf, der weiße Streifen fiel zu Boden. Gierig sog die Baumwolle die Lache auf. Er schrubbte. Jede Bewegung entfernte einen weiteren Teil seines Verbrechens.
Die Fliesen glänzten weiß und rein vor ihm. Erschöpft legte er die Hände in seinen Schoß und atmete ein. 
Erledigt.
»Du hast da was vergessen. Schau.«
Er schaute sich um. Am Haken klebte Blut. Er wischte es weg.
»Noch nicht ganz.«
Aus der Wand sickerte Blut. An den Schrauben vorbei. Rhythmisch im Takt des Herzschlags bahnte es sich seinen Weg.
Er schrubbte.
Es floss schneller.
Die Anstrengung ließ ihn keuchen, doch er gab nicht auf. Hektischer rieb er an den Fliesen.
Es pulsierte unaufhörlich über seine Hände.
Die Zunge klebte in seinem trockenen Mund. 
Ich brauche eine Pause.
»Du machst es nur schlimmer.«
Die Fliesen blendeten. Er wandte den Blick ab. Die Wände schienen kein Ende zu finden. Das Badezimmer war zu groß.
»Das schaffst du niemals.«
Dann entsorge ich erst die Leiche. 
Sie sind immer schwerer, wenn sie tot sind.
Die kühle Luft half gegen den Schweiß. Auf der Brücke hatte ein Fahrzeug die Lampen beschädigt. Deswegen war er hier. Schwarze Soutane in finsterer Nacht.
»Ich gebe zu, dass war kein schlechter Plan.«
Seine Füße fanden den Weg. Er ließ die Leiche zu Boden fallen.
Hier ist der Fluss tief genug.
Er zog an dem Toten. 
Zu schwer. Pause. Ich brauche eine Pause. 
Trotzdem stemmte er sich gegen die Last. Sie bewegte sich. Er schob sie über die Brüstung. Es platschte unten im Fluss.
Er starrte in die Finsternis.
»Du hättest etwas sagen sollen.«
Er drehte sich um. Vor ihm stand sein Ebenbild. Akkurat angekleidet. Der weiße Kragen leuchtete aus der Dunkelheit. Es hob den Arm, das Messer in der Hand. 
Es tut mir leid.
»Sei still, es ist gleich vorbei.«
Es stach zu.
Er fiel über die Brüstung, versuchte, sich zu halten. 
»Lass einfach los.«
Das Wasser war eiskalt. Er atmete ein. Die Klinge steckte tief in seiner Brust. Jeder Atemzug jagte eine Welle des Schmerzes durch seinen Körper. 
Die Kälte kam von unten, durch seine nasse Kleidung, das Wasser von oben.
»Ich hole Hilfe.« Eine reine, körperlose Stimme.
Er streckte seine Finger in ihre Richtung.
Lassen Sie mich nicht allein. 
Sie antwortete nicht.

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